Schon als Kind träumte Ida Pfeiffer davon, an Expeditionen in ferne Länder teil zu nehmen und über die Weltmeere zu segeln. Und tatsächlich war sie die erste Frau, die eine Reise rund um die Welt unternahm.
Sie wollte nicht akzeptieren, dass Menschen nur wegen ihrer unterschiedlichen Hautfarbe nicht die gleichen Rechte haben sollten. In der Zeitschrift „Unterhaltungen am häuslichen Herd“ war als Ankündigung für einen Vortrag zu lesen, „dass die Reisende von der Geografischen Gesellschaft Berlins berufen wurde, um vor jener „für die Wilden“ zu plädieren“.
„Der Weiße verlangt nach den Weibern und Töchtern der Wilden, er verhöhnt sein heiligstes, seinen Glauben, seine Götter. Er betrügt, übervorteilt ihn, wo immer er es nur vermag, ja, wenn es in seiner Gewalt liegt, jagdt er ihn von seinem heimathlichen Boden. Jede Regierung, sie mag englisch, holländisch, amerikanisch oder wie immer heißen, hat bei Eroberungen nichts anderes in Sicht als aus Land und Leuten zu ziehen und zu pressen, was nur möglich ist.“
1842 – da war sie 44 – packte Ida Pfeiffer zum ersten Mal ihre Koffer für eine Fernreise: sie brach zu einer Pilgerreise ins Heilige Land auf. Obwohl Pilgerreisen lange Zeit die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form des Reisens für Frauen war, erschien ihr Vorhaben Freunden und Verwandten als sehr gewagt. Palästina war in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine politisch unruhige Gegend und außerdem herrschte in vielen Hafenstädten die Pest. Doch Ida ließ sich nicht aufhalten.
Ida Pfeiffer war zwar wagemutig aber nicht naiv. So hat sie vor allen Fernreisen ein Testament gemacht, weil sie letztlich doch damit rechnete, die Reise nicht zu überleben. Trotzdem überwog ihre Entdeckerlust, das Bemühen Vorurteile zu widerlegen und Verständnis für die sogenannten Wilden zu wecken.
Nicht immer müssen erst die Nachfahren der Urgroßeltern wie bei Götz Aly das Ausräubern der sogenannten Wilden im 19. Jahrhundert als das bezeichnen was es ist: Raub inklusive Mord und Totschlag. Und es wird Zeit, dass 200 Jahre später die Alltagsgegenstände und Artefakte wieder zurückgegeben werden und zwar die Originale – die Kopien können wir ja weiterhin ausstellen. Uns sind die Stücke sowieso nicht heilig!
Ida Pfeiffer – Die Weltreisenden des Biedermeier, br wissen, Juli 2013, Eine Sendung von Henriette Wrege. Das Manuskript kann in der Redaktion angefordert werden, die Sendung ist bestimmt im Netz als Podcast zu finden. „Ida Pfeiffer – Weltreisende um 1860“ weiterlesen
Kategorie: Bücher, Film und Funk
Bücher, Film und Funk
Seitdem ich auf dem Land lebe, komme ich wieder richtig zum Lesen.
Manches ist pure Unterhaltung. Anderes beeindruckt mich sehr.
Senderalltag
Jetzt muss ich doch auch mal was zur Affäre „Lovemobil“ sagen. Erstmal gilt – immer – sex sells. D.h. so ein Thema lässt sich immer vermarkten. Und: Einen Film über den Alltag in der Prostitution an der Landstraße mit einem Titel zu überschreiben, in dem das Wort „Liebe“ vorkommt, da stöhne ich sowieso schon im doppelten Sinn auf.
Und noch was: Eine Anfängerin möchte gerne im knallharten Gewerbe der DokumentarfilmerInnen Fuß fassen. Da schmückt es natürlich, wenn neben der eigenen Produktionsfirma ein örr-Sender als Ko-Produzent auftritt. Das gelingt allerdings nur, wenn man bzw. frau der Redaktion das Blaue vom Himmel verspricht. In diesem Fall: mit der Kamera im Wohnmobil Prostituierte bei der Arbeit begleiten. Das ist nicht so einfach. Die Autorin hat jahrelang recherchiert, logisch. Sie hat es aber nicht geschafft die – dokumentarischen Szenen – in den Kasten zu kriegen. Was sie stattdessen gemacht hat, ist nun Gegenstand vieler Diskussionen. „Senderalltag“ weiterlesen
Der Spahn des Tages
Es ist doch unglaublich. Erst verdienen die Amigos Millionen Euro an den Maskendeals und dann verteidigt der BMG das auch noch mit der Ausrede, man hätte schnell handeln müssen. Da lag es natürlich nahe, dass man auch den eigenen Ehemann an den Geschäften beteiligte. Nur weil man Seit Anfang Januar 2020 den Schuss nicht gehört hat.
Und das obwohl inzwischen sehr schön nachgewiesen wurde, dass das Gesundheitsmysterium monatelang alle Warnungen, Angebote und ähnliches in den Wind schlug. Bis auf das Außenministerium von Heiko Maas muckerte scheinbar niemand in den Monaten Januar und Februar 2020, was da los ist in der Welt. Und dass es in Deutschland zu wenig Masken und anderes Schutzmaterial für den Fall der Fälle gab, war 2016 bekannt. Und jetzt stellt sich Minister Spahn hin, und tut so als hätte er von gewusst. Wahrscheinlich ist sogar richtig. Von einem Bankangestellten kann man nämlich Fach- und Sachkunde nicht erwarten, wenn es drauf ankommt. Er hatte ja schließlich auch anderes im Kopf. Er wollte CDU-Vorsitzender werden, Immobiliengeschäfte machen, den §219 a im BGB behalten – koste es was es wolle, höchstrichterliche Urteile ignorieren – wie im Falle der Sterbehilfe – auch da – koste es was es wolle. Da sind Seuchen nun wirklich nebensächlich.
Christoph Hickmann, Martin Knobbe und Veit Meddick (Hg.)
Lockdown – wie Deutschland in der Coronakrise knapp der Katastrophe entkam
DVA, 312 Seiten, November 2020, 22 Euro
Dieses Buch liest sich wie Gruselkrimi. Ohne den Krisenstab von Heiko Maas wäre alles noch viel schlimmer gekommen. Auch der Seehofer konnte sich auf seinen Instinkt verlassen. Nur leider hat der Katastrophenschutz, der zum Innenministerium gehört, nicht wirklich vorausschauend gearbeitet. Das BMG musste zum Jagen getragen werden. – Ein sehr schönes Tagesbuch!
Jüdisches Leben: 321 – 2021
Ziel des Festjahres 2021 ist es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. Als mein Beitrag dazu bringt der Bayerische Rundfunk in der Reihe „br wissen“ mein Feature über das Leben des Bankiers Samuel Oppenheimer um 1700 herum.
Samuel Oppenheimer war der Finanzier des Habsburger Kaisers Leopold. Er war Hofjude bzw. Hoffaktor der ersten Generation. Ende des 17. Jahrhunderts begann der Handel mit Wechseln und auch die ersten „Badbanks“ entstanden. Samuel Oppenheimer hat fast alle Kriege des Habsburger Kaiserhauses mit Hilfe seines ausgeklügelten, europaweiten Netzwerks vorfinanziert. Doch der Kaiser bezahlte selten Oppenheimers Rechnungen pünktlich, und so musste sich der Hoflieferant seinerseits die Gelder leihen, um die Lieferungen für Heer und Hof zu bezahlen. Oppenheimers System basierte vor allem auf seinem guten Ruf. Als er im Mai 1703 im Alter von 72 Jahren in Wien starb, löste das ein Erdbeben in der Finanzwelt der damaligen Zeit aus.
br wissen, 17. Mai 2021 um 9.00 Uhr – danach auch im podcast.