mal wieder Kultur

Bis Mitte Mai ist in Hamburg noch die Ausstellung von Bildern von Gabriele Münter im Bucerius Kunstforum zu sehen. Es ist zwar nur eine kleine Auswahl ihrer Bilder, aber sehr schön gehängt und ausgesprochen gut ausgeleuchtet. Zentral natürlich das Portrait von Marianne Werefkin: die Frau mit dem großen bunten Hut von 1909.

Das Münter Haus in Murnau
Das Haus von Gabriele Münter in Murnau kann man besichtigen. Allerdings hängen dort keine Bilder von ihr auch nicht ihren langjährigen Lebensgefährten Kandinsky. Ich war im April 2018 an einem wunderschönen (fast zu warmen) Frühlingstag dort. Anschließend kühlte ich meine Füße im Staffelsee. 

Kollegen bei der Arbeit

Für mich ist er einer der unangenehmsten Jobs, die es für ReporterInnen gibt: SportlerInnen direkt im Ziel oder nach Abpfiff eines Spiels zu befragen. Die Leute sind in aller Regel bis zum Abwinken erschöpft und die meisten wissen nichts mehr von dem, was sie gerade gemacht haben. Ich glaube Rolf Töpperwien war der Erfinder dieser in aller Regel schrecklichen und inhaltsleeren Wortwechsel mit Mikrofon. Als erfahrener TV-Journalist hätte Nils Kaben an diesem Abend (es war ja fast Mitternacht) schon bei der 1. Antwort von Toni Kroos den Braten riechen müssen: „Ja, da gibt es nichts mehr hinzuzufügen!“ Uih, da war das Eis schon sehr dünn. Noch so ne geschlossene, selbst beantwortete Frage und es rumst. Toni Kroos reißt sich noch mal zusammen, erzählt das mit seinen drei Kindern, und dass sie im CL Finale nicht gegen ne Dorfmannschaft gespielt haben. – Da hätte der Koll. Kaben eigentlich Schluss machen müssen. Er kann nicht von Kroos erwarten, dass der ihm sagt: Als wir merkten, dass die Liverpooler besser sind als wir, haben wir sie auflaufen lassen, hinten dicht gemacht, einen Riesen ins Tor gestellt und auf Konter gehofft. Bela Rethy hat noch versucht dem Kollegen den Arsch zu retten und erklärt, was der eigentlich fragen wollte. War sehr kollegial. Aber der Rest der Meute würde sich auf den Pechvogel stürzen.
Interessant fand ich die Einteilung der Fragen in negative und positive. Negative sind normale Fragen, oder? Die positiven sind Lobhudelei, die nur mit ja bestätigt werden müssen. Mertesacker ist auch schon mal „negativ“ befragt worden…..  Alles nicht so einfach.
Die alte Reporterin kann nicht einfach nur ferngucken.

Boxeraufstand

Übrigens der Aufruf: „Germans to the front!“ wird britischen Kommandeuren im Rahmen des Marsches auf Peking 1901 zugeschrieben. Es sollten auch mal andere an der Spitze des europäischen Kontingents stehen, das die Ausländer aus Peking befreien wollten und den Boxeraufstand niederschlagen wollten.
Die Chinesen hatten es nämlich gewagt, sich gegen die fremden Eindringlinge  zur Wehr zu setzen.
Siehe auch:
br 2 radiowissen am Montag, den 02.05. um 9.30 Uhr.
Das Manuskript kann man in der Redaktion von radiowissen im Bayerischen Rundfunk bekommen. 

Anne Beaumanoir

„Was für ein Leben“ – so lautet der Titel des Nachrufs auf  Anne Beaumanoir. Anne Weber, die 2020 dieses Leben in einem Heldinnenepos würdigte und dafür den Deutschen Buchpreis bekam, ließ in der Süddeutschen Zeitung noch einmal dieses Leben mit den stärksten Höhen und Tiefen Revue passieren. Anne Beaumanoir ging als Jugendliche in den Untergrund und kämpfte gegen die Deutsche Besatzung in Frankreich. In den 50er Jahren empörte sie sich über die Nazi-Methoden der französischen Armee in Algerien und begann den NLF zu unterstützen: Als sogenannte Kofferträgerin transportierte sie Geld und als Kurierfahrerin transportierte sie wichtige Funktionäre der NLF in Frankreich. Während ihrer Tätigkeit für den Maquis kam sie immer ungeschoren davon. Als Fahrerin für die NLF wurde sie verraten und verhaftet. Ein Militärgericht verurteilte sie zu 10 Jahren Haft. Ihr gelang die Flucht. Allerdings musste sie bis zur Amnestie Ende der 60er Jahre warten bis sie wieder offiziell in Frankreich leben konnte.
Obwohl sie mit Haftbefehl gesucht wurde, konnte sie in der französischen Schweiz als  Neurophysiologin in einer Klinik arbeiten. Ihre Familie sah sie nur, wenn sie mit falschen Papieren über die Grenze nach Frankreich fuhr. Etwas, was einer erfolgreichen Widerstandskämpferin natürlich nicht schwer fiel. Anne Beaumanoir starb am 4. März im Alter von 98 Jahren.

Anne Weber: Annette, Ein Heldinnenepos, Matthes&Seitz, Berlin, 2020, 208 Seiten, 22 Euro
Anne Weber ist gerade auf Lesereise in Süddeutschland mit ihrem Heldinnenepos.