Corona – kritisch

Dankenswerteweise mehren sich die Stimmen, denen es langsam aber sicher zu viel wird mit dem „Datenspenden“, „Handytracking“ – dem lemmingmäßigen Bejubeln des Ausverkaufs unsere Privatheit. In der Kulturzeit auf 3SAT darf sich in dieser Woche der Philosoph Markus Gabriel, seines Zeichens Professor an der Uni Bonn, äußern. Ich war angenehm überrascht, dass nicht nur Heribert Prantl der Kamm schwillt beim Hurra-Jubel zu immer mehr Überwachung. Insofern kann ich den Corona-Blog in der Kulturzeit nur empfehlen: täglich von 19.20 Uhr bis 20.00 Uhr auf 3 SAT.
Als ich bei Wikipedia mehr über diesen Philosophen erfahren wollte, musste ich beim Blick auf sein Geburtsdatum lachen: 1980 – da hab ich mein Diplom gemacht. Aber das ist nun doch auch schon 40 Jahre her.

Equal pay Day

Heute ist schon E P D – Vor 5 Jahren mussten wir Frauen noch 10 tage länger für umme arbeiten.  Erst ab dem 26. März wurden wir für unsere Arbeit bezahlt. Mit der Einführung des Mindestlohns vor 5 Jahren im Januar 2015 verringerte sich das Genderpaygap. Und das obwohl gerade in Jobs wie bei Aldi an der Kasse der Unterschied in der Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Arbeit am geringsten war. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass Frauen für die gleiche Arbeit rund 7 % weniger Geld bekommen als die männlichen  Kollegen, dass es auch niemanden mehr wundert, dass Frauen höhere Zinsen zahlen müssen als Männer. Generell gilt: überall, wo frei verhandelt wird, schneiden Frauen schlechter ab. Entweder werden sie ausgenommen oder mieser bezahlt. Davon profitieren ganze Volkswirtschafen und deshalb hält sich diese Phänomen auch so zäh. Dass Deutschland, das stolz auf seinen Niedriglohnsektor ist, inzwischen neben Estland die größten Ungerechtigkeiten aufweist, stört niemanden wirklich. Schließlich wollen wir doch alle Exportweltmeister sein und dafür müssen – das war selbst in den fünfziger Jahren so – die Arbeitnehmenden schlecht bezahlt werden. Sonst bleibt ja bei diesem Dumpingsystem nix mehr in der Tasche der UnternehmerInnen – und um deren Auskommen haben sich bislang alle Bundesregierungen immer redlich bemüht.

Ich kann da nur das Buch von Ulrike Herrmann empfehlen: Deutschland – ein Wirtschaftsmärchen. Erschienen 2019 im Westend Verlag.

Die neue Frau

in den 20iger Jahren: zwischen Flapper und kunstseidenem Mädchen – so lautet der Titel meines Features, das am 04. Februar 2020 im Kulturradio des rbb wiederholt wird. (Die Erstsendung war im März 2014.)
Das Mekka der Neuen Frau war die Metropole Berlin in den Goldenen Zwanzigern zwischen 1924 und 1929. Die Weimarer Republik hatte den Frauen sowohl das Wahlrecht gebracht, als auch die rechtliche Möglichkeit gegeben, eigenständig ohne die Kontrolle der Familie zu leben. 1925 waren 11,5 Millionen Frauen erwerbstätig. Im Ersten Weltkrieg wurde die Arbeitskraft aller Frauen gebraucht. Nach 1918 zog es vor allem junge Frauen in den Beruf. Die Vorbilder mit kniekurzem Kleid, Bubikopf, rauchend und Alkohol trinkend kamen aus den USA. Klar ist, dass das reale Leben der Angestellten mit dem Glanz und der Verruchtheit von Flappern oder Girls aus Film und Literatur nicht mithalten konnte.

rbb Kulturradio, 19.04 Uhr am 04.02.2020 und danach für ein Jahr im Netz als Podcast zum Nachhören. Das Manuskript der Sendung kann in der Redaktion Zeitpunkte im rbb angefordert werden.

Tag der Menschenrechte

Google erinnert heute an Bertha von Suttner. Bertha von Suttners Leben Ende des 19. Jahrhunderts könnte als Vorlage für ein Hollywood Epos dienen: Der bekanntesten Frau ihrer Zeit kam bei allen Aktivitäten ihre adlige Herkunft als Gräfin Kinsky und die Erfahrungen der entbehrungsreichen Jahre zu Beginn ihrer Ehe mit Alfred von Suttner zugute. Nach dem Erfolg ihres Romans „Die Waffen nieder!“ widmete sie sich voll und ganz dem Kampf für den Frieden und gegen den Krieg. Sie war eine geniale Netzwerkerin und PR-Managerin. Briefe waren ihre Form der Kommunikation. Sie schrieb Tausende. Sie besorgte die notwendigen Gelder für den Ausbau der Friedensbewegung, für Konferenzen, Reisen und den eigenen majestätischen Lebensstil. Sie war es, die den Erfinder des Dynamits Alfred Nobel zur Stiftung des Friedensnobelpreises veranlasste, den sie selbst allerdings erst als Fünfte erhielt.

Das Manuskript der Sendung „Bertha von Suttner – von der Bestsellerautorin zur Friedensaktivistin“ vom 17. Juni 2014 ist beim rbb-Kulturradio erhältlich.