„Junk“ im Residenztheater

An einem wunderschönen Frühsommerabend feiert das Bayerische Staatsschauspiel die Premiere des Wirtschaftsdrama „Junk“. Zeitgenössische Stücke können funktionieren, müssen aber nicht und Themen aus der Welt des globalen Casinos sind harter Stoff. Wem also Begriffe wie Junkbonds, Leerverkäufe oder feindliche Übernahmen nicht wirklich geläufig sind, muss sich konzentrieren. Entspannte Unterhaltung am Abend sieht anders aus. Auch dieses „con brio“ des Autors hätte die Regisseurin nicht unbedingt umsetzen sollen. Etwas weniger Feuer und Tempo hätte dem Stück gut getan. Der Text ist keine Screwball-Komödie! Aber wahrscheinlich sollten wir uns auch nicht wie in der Volkshochschule fühlen. „„Junk“ im Residenztheater“ weiterlesen

Equal Pay Day

Der Equal Pay ist in diesem Jahr sogar schon am 18. März – es geht also voran. Im letzten Jahr war es der 19. März und wir Frauen mussten auch schon bis zum 23. März für umme arbeiten, während Männer vom 1. 1. eines Jahres an Kohle machten. Ich denke es liegt u.a. am Mindestlohn, dass es etwas voran geht.  Es ist zwar so: je niedriger der Lohn – je geringer die Lohnlücke – also bei Aldi an der Kasse verdienen die Frauen nur ein bisschen schlechter als die Männer.  Aber seit dem z.B. auch im Friseur-Handwerk und im Einzelhandel der Mindestlohn gezahlt werden muss, holen die Frauen deutlich auf. Am größten ist die Lohnlücke bei den Hochqualifizierten: bis zu 35 % verdienen männliche Führungskräfte mehr als die weiblichen.

Mein Lieblingsfilm zu Equal Pay Day ist „Made in Dagenham“ auf Deutsch „We want Sex(equality)“ aus dem Jahr 2010. Er erzählt die Geschichte der Näherinnen aus der Fordfabrik in Dagenham Mitte der 60er Jahre. Die Frauen erkämpften am Ende Verbesserungen für alle Frauen in Großbritannien. Los ging es als den Näherinnen ein paar Cent Lohnerhöhung vorenthalten werden sollte. Politisch spielte  Arbeitsministerin Barbara Castle (Labour Party) eine zentrale Rolle.
Der Film von Nigel Cole ist bei YouTube zu finden.

8. März

Zum Weltfrauentag gibt es auch in diesem Jahr wieder sehenswerte Filme und Reportagen im Fernsehen. Es wäre zwar besser frauenpolitische Beiträge an jedem Tag im  Programm zu finden, aber ich bin ja schon für kleine Schritte dankbar.
Hier ein Filmtip zum immergrünen Thema „Meine Gebärmutter gehört nicht den Lebensschützern“
www.arte.tv/de/videos/pro-life-abtreibungsgegner-auf-dem-Vormarsch

Aktuell werden in Deutschland gerade in vier Städten die Beratungsstellen der pro familia von fundamentalistischen Schützern des ungeborenen Lebens belagert. Die Frömmler wollen mit ihrem Singsang – nach us-amerikanischem Muster – einfach nur nerven. Und das tun sie auch, ob man das allerdings dulden  muss, wird sich in den nächsten tagen entscheiden. Schließlich wird ein gesetzlicher Auftrag behindert. Außerdem versuchen  selbsternannte Freunde des ungeborenen Lebens seit einigen Jahren in Deutschland jegliche differenzierte Information für schwangere Frauen aus dem Internet heraus zu klagen. Am Ende soll es ausschließlich die Lebensschützer- Propaganda geben. In der Arte-Reportage „Pro-life-abtreibungsgegner-auf-dem-Vormarsch“ werden unter anderem die Finanzströme der Abtreibungsgegner offen gelegt. Es werden die Aktionen einer Gruppe junger Franzosen begleitet, die in den Socialmedia für das Ungeborene Leben agitieren. Und es werden die Folgen des ungarischen Verfassungsparagrafen vorgestellt, der einen  Schwangerschaftsabbruch explizit  verbietet. Welche Auswirkungen die Aktivitäten der Lebensschützer auf Leib und Leben schwangerer Frauen haben, beleuchtet ein Beispiel aus Sizilien: dort wird der Tod einer 24-Jährigen von Ärzten sehenden Auges in Kauf genommen. Eine medizinische Hilfeleistung wird verweigert, trotz hippokratischem Eid. Der Weg ins Krankenhaus bedeutet heute immer öfter für Schwangere den sicheren Tod und das nicht nur in Italien. In immer mehr Ländern sind Schwangere in Lebensgefahr durch die Lebensschützer.
Die Gelder für diese frauenverachtenden Maßnahmen stammt einerseits aus evangelikalen Kreisen in den USA und andererseits von orthodoxen russischen Oligarchen. Diese Leute haben inzwischen sogar eine von der EU anerkannte Lobbyorganisation gründen können.
Da wird noch mehr auf uns zu kommen.
Der Film von Alexandra Jousset und Andrea Rawlins-Gaston ist noch bis zum 5. Mai in der Arte Mediathek zu sehen und wird am 8.März 2018 um 9.25 Uhr wiederholt.

Ein sehenswertes Stück über den aktuellen Versuch, die weibliche Sexualität zu kontrollieren.

Mit Justitia gegen die Frauen

Mein Bauch gehört mir! – dieser Schlachtruf ist auch nach 50 Jahren  für viele Männer und einige Frauen eine Provokation und er ist der Lakmustest wie es um die Humanität einer Gesellschaft oder einer politische Richtung bestellt ist.
Über 155.000 Menschen haben die Petition der Ärztin Kristina Hänel zum Thema Streichung des §219a unterschrieben. Damit haben sie sich für ein Informationsrecht für Frauen zum Schwangerschaftsabbruch stark gemacht! Der § 219a stammt aus der Nazizeit. Insofern ist verständlich, warum er so viele Freunde aus der braunen Ecke hat – vor allem männliche Freunde.
Wer welche Position in Sachen Informationsfreiheit für schwangere Frauen vertritt, hat die Deutschlandfunkredakteurin Christiane Florin für die Reihe „Hintergrund“ zusammengetragen – im Netz unter „http://www.deutschlandfunk.de/hintergrund“  nachzuhören.
Christiane Florin ist eigentlich Redakteurin im Kirchenfunk des DLF und insofern ist es nicht verwunderlich, dass ihre Sendung etwas arg kirchenlastig ausgefallen ist. Allerdings wer weiß sonst von einem Verfahren gegen den Bischof von Limburg wegen des Verstoßes gegen §219a? Er wurde von rechten Frauenhassern genauso angezeigt wie die Ärztin Kristina Hänel und ihre Kolleginnen. Der Bischof wurde zwar nicht verurteilt, aber die Anzeige hatte trotzdem Erfolg. Denn die Liste mit Adressen, an die sich schwangere Frauen zur Beratung wenden können, verschwand aus dem Internet.  Und darum geht es schließlich. Die braunen Kinderfreunde wollen in ihrem misogynen Wahn Frauen von jeglichen Informationen fernhalten, um – ja um was eigentlich zu erreichen? Betroffene von Informationen vorenthalten, um sie besser manipulieren zu können? Mehr weiße ethnisch deutsche Kinder? Das was im AFD-Jargon „aktivierende“ Bevölkerungspolitik heißt? Dass es in Sachen Schwangerschaft um Bevölkerungspolitik und die Kontrolle über weibliche Sexualität geht, war schon immer so. Nun haben die Schlauberger den § 219a entdeckt. Gab es bislang 3 oder 5  Anzeigen pro Jahr, stieg die Zahl in 2016 auf 35 – unter ihnen immerhin der Bischof von Limburg.  So lange es den §219a gibt (die CDU will übrigens nichts an ihm verändern), so lange werden Gerichte Handlangerdienste tun.