2 G , 3 G und der Spahn des Tages

Es gibt einen feinen, aber doch gravierenden Unterschied zwischen geimpft und geimpft. Als geimpft gelten nur Personen, die mit Impfstoffen versorgt wurden, die in Deutschland zugelassen sind. Alle anderen Geimpften gelten als nicht geimpft und ohne Testmöglichkeit sind sie aus bzw. eingesperrt. Wer also nach Russland flog zur Impfung ist zwar geschützt, gilt aber trotzdem als nicht-geimpft.

Nun biegt noch mein Freund Jens Spahn um die Ecke mit der Ansage: jetzt erstmal Moderna zu verimpfen, weil die Haltbarkeit abläuft.
Auch Moderna ist – wie BionTech – vor allem gegen die Varianten 1 und 2 wirksam – bei der Delta-Variante: „Fragezeichen“. Die meisten Infektionen verzeichnen allerdings diejenigen, die mit J&J ein Mal geimpft wurden – heißt es immer wieder.  Man muss ja heute vorsichtig sein mit seinen Zusammenfassungen.

 

Der Heiko Mass des Tages

Was wohl die Flüchtlinge aus der DDR gesagt hätten, wenn wir sie in ihr Heimatland zurückgeschickt hätten? Oder Willy Brandt – wenn die Norweger ihn in sein Heimatland zurückgeschickt hätten. Seine Landsleute waren ja vor Ort, die hätten ihn gleich umgebracht – sozusagen auf dem kurzen Dienstweg.
Es hat schon seinen Grund, warum Heiko Mass ein ausgesprochen  unbeliebter Außenminister ist – da muss man sich schon ordentlich anstrengen. Und das tut der Außenamtschef beinahe täglich. Das jüngste Ei: die Flüchtlinge vor der EU Außenmauer sollen wieder dahingebracht werden, von wo sie mit viel Aufwand geflohen sind: in ihr Heimatland. Heimatland das klingt nach Kerzenlicht und warmer Wolldecke und nach prasselndem Kaminfeuer. Ein munter prasselndes Feuer machen sich auch die Menschen vor der EU Außenmauer. Letztens sah man Bilder von einem LKW, der Holz brachte – von wo auch immer. Denn eigentlich haben die Polen das Gelände abgeriegelt: kein Rotes Kreuz, keine Presse, keine Hilfe – sollen sie doch verrecken! Die Erde ist ein Jammertal! Der praktizierte christliche Gaube – eben.

 

Volkstrauertag

Seit 1952 stehen die Verfassungsorgane mit leichenbitter Miene an den Gräbern der Soldaten der Kriege – aber neuerdings auch von Gewaltherrschaft. Nur auf den Dörfern wird nach wie vor den Weltkriegstoten gedacht. Die kennt man schließlich alle und es sind viele Söhne der Dörfer, die als Kanonenfutter in den Tod geschickt wurden. Man nahm übrigens besonders gern die jungen Männer vom Land, weil die es gewohnt waren, zu gehorchen: dem Vater, dem Schulmeister und nicht zu vergessen der Kirche!
Viele hätten sich sicher auch gern geweigert, in den Tod zu gehen. Aber diese Alternative gab es nicht!
In unserem Dorf ist das Ehrenmal noch wie aus dem 3.Reich: aus Granit mit Stahlhelm auf einem gesichtslosen Kopf und Eisernem Kreuz – fehlt nur das Hakenkreuz. Aber das hat wohl irgendjemand mal entfernt.

 

Grenzschutz

In großen Lettern ruft die Bildzeitung heute – wen auch immer – auf, die Grenzen der EU zu schützen – vor wem auch immer. Vor den 1000 MigrantInnen, die gerade in Kälte und Nässe zwischen den Stacheldrahtrollen versuchen, nicht zu sterben?
Vielleicht lese ich immer zu viel Literatur, die in den 30er Jahren spielt, aber es ist ein dejà vu: Nato-S-Draht und martialisch aussehende, brutale GrenzsoldatInnen gegen Flüchtlinge, gegen Kinder und ihre Eltern, die bis vor Kurzem noch normale mittelständische Menschen waren. Nun völlig verdreckt ohne Schutz dem Wetter ausgesetzt, sehen sie aus wie diejenigen, die wir nicht in unseren warmen Stuben haben wollen. 9 Menschen haben diese Verhältnisse inzwischen nicht überlebt und es werden noch mehr.
Königstochter, Jüngste, mach mir auf! quakt der glibschige Frosch. Dem wurde schon im Märchen nicht aufgemacht. Bzw. als ihm aufgemacht wurde, flog er gegen die Wand: so wie im Märchen, sitzen jetzt auch Prinzessinnen und Prinzen zwischen allen Stühlen im osteuropäischen Wald. Was vergeben wir uns eigentlich, wenn wir mal „christlich“ handeln und ihnen aufmachen – wir Christen?  Aber das hat ja schon mit den Kindern von Moria nicht wirklich funktioniert. Da wurden einige nach Deutschland geflogen und aus war es für den Rest des Kontingents.
Selbst der Brief der 4 Literaturnobelpreisträgerinnen verhallte ohne irgendein Echo. Noch nicht einmal die Kultursendungen beschäftigten sich damit, obwohl dort gerne und viele Tränen für die Menschen in Belarus vergossen werden.
Die haben allerdings den unschlagbaren Vorteil, dass sie eingesperrt sind und nicht irgendwann an der EU-Grenze auftauchen können – Ausnahme Frau Tichanowskja – standing ovation im Bundestag heute – so lange es nichts kostet – immer gern!
Das Problem ist in der Tat nicht Polen, sondern die EU als Ganzes, die die Bilder nicht sehen will, die sie selbst erzeugt, die das Elend nicht will, das sie selbst erzeugt!
Na dann, schöne Weihnachten – aber das ging ja letztes Jahr auch schon ganz gut trotz des Elends.