Eine gut geölte Maschine

Haben Sie den Skandal um Daniel Günther verfolgt? Fragte am 17. Januar Justus von Daniels auf der Plattform Correctiv. In den Sozialen Medien kochte es, und dieses Mal sollte der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident „geschlachtet“ werden. So wie im Sommer die Juraprofessorin Brosius-Gersdorf. Bei ihr ging es genauso wie bei Daniel Günther nicht um angebliche Behauptungen, sondern darum, dass sie der AFD gefährlich werden könnten. Die Juristin sollte in den Senat berufen werden, der über ein eventuelles AFD Verbot entscheiden würde und Daniel Günther gehört zu den Menschen, die zumindest ein Prüfverfahren anstreben. Grund genug die Diskreditierungsmaschine anzuwerfen.  Die Kaskade läuft über Nius, dann Bild und das Qualitätsmedium Welt und dann diversen Abgeordnete, die gerne nachplappern, was Bild & Co ihnen vorquaken.
Die Debatte um die Äußerungen des CDU-Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein bei Markus Lanz zeigt, wie eine gut geölte Kampagne gegen eine Person erneut abhebt – dann aber am Mittwoch – ebenfalls bei Markus Lanz – eine bemerkenswerte Bruchlandung hinlegte. Dank dem Team von Markus Lanz und – eher unfreiwillig – der AFD Größe Beatrix von Storch.
Was war passiert?

In der Sendung Markus Lanz hatte Daniel Günther Soziale Plattformen kritisiert und forderte klare Regulierungen, darunter auch ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Und er sprach darüber, dass neurechte Medien wie Nius bewusst demokratiefeindliche Stimmungen verbreiten würden. Eine Zensur forderte er nicht. Nius tat daraufhin genau das, was Günther ihnen vorgeworfen hatte: Sie schnitten Interview-Passagen so zusammen, dass es irreführend so aussah, als würde er eine Zensur von Medien wie Nius fordern.

Was dann folgte, war eine ähnliche Dynamik wie schon bei der reißerischen Kampagne gegen die Besetzung von Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin. Auf Nius folgte die Bild, die Welt schickte Interviews mit Wolfgang Kubicki und anderen ins Netz, die sich über Günthers angebliche Zensur-Forderungen aufregten. Der Medienanwalt Steinhöfel strengte sofort im Auftrag von Nius ein juristisches Verfahren gegen Günther an, was die Welt wiederum eilig vermeldete.
Sogar Die ZEIT verzichtete auf’s Recherchieren und quakte im rechten Chor mit. Oh, oh, oh.
Die Kampagne lief also gut für die Neu-Rechten: Erst die Rechtsaußen-Medien, dann Welt, einige Abgeordnete sekundierten, sogar in einer renommierten Zeitung lief es zu ihren Gunsten. Ganz ähnlich wie im Sommer. Und vielleicht eine weitere Übung fürs nächste Mal?
Einen Strich durch die Rechnung machte nun (unfreiwillig) ausgerechnet Beatrix von Storch bei Markus Lanz. Storch war diese Woche zu Gast bei Lanz und wiederholte den falschen Zensur-Vorwurf vor der Kamera. Lanz spielte daraufhin die Passagen aus dem Interview mit Günther vor, Storch musste live einsehen, wie sie Desinformation verbreitet hatte. In diesem Fall hat die Korrektur funktioniert, auch weil die ZDF-Sendung, in der die Pseudo-Skandalisierung überdeutlich aufflog, eine hohe Reichweite hatte.
Nius – das hatte die FAZ direkt nach dem Günther-Interview treffend analysiert – hatte sich durch die Aktion selbst entblößt. Vielleicht war diese Woche ein wichtiger Moment, um künftige Kampagnen dieser Art schneller zu entlarven. Gerade wenn Videoschnipsel geteilt werden, ohne dass es um einen ernstgemeinten Erkenntnisgewinn geht, sollten wir alle in unserem Medienkonsum zunächst skeptisch sein. Auch unter Politikern kommt es leider immer häufiger vor, dass sie solche Beiträge unreflektiert weiterverbreiten.