An Weihnachten 2017 ist eine meiner politischen Freundinnen in Berlin verstorben. Hannelore May gehörte zu den wenigen Frauen, denen ich wichtige Schritte in meinem beruflichen Leben zu verdanken habe. Sie war es, die mich im März 1989 anrief und fragte, ob ich Pressesprecherin bei Anne Klein, der neuen, grünen Senatorin für Frauen, Jugend und Familie werden wollte – mithin im ersten rot-grünen Senat in Berlin. Diesem Senat gehörten mehr Frauen als Männer an.
So läuft es also dachte ich damals, hatte aber die Rechnung ohne den grünen Intrigantenstadel gemacht. Nach sechs Wochen war meine Senatsepisode beendet. Für mich bedeutete dieses Intermezzo trotzdem eine Menge: Im damaligen Sender Freies Berlin trauerten einige Redakteure tatsächlich ihrer freien Autorin nach. Und ich gewöhnte mich an das Gefühl, auch mal „Chefin“ zu sein.
Hannelore May war wie ich Teil der Berliner FrauenfrAKTION, die eigentlich mehr als ein Debattierclub sein wollte, aber wir, die wir uns regelmäßig trafen, liebten vor allem die Diskussionen: laut und wild durcheinander redend. Da hatte Hannelore es manchmal schwer mit ihrer leisen Art durchzudringen. Diese Stimme ist nun für immer verstummt. Eine Aktivistin weniger.