Türkei – da wird nicht lange diskutiert

Ich sollte 2007 in einem EU-Twinningprojekt die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen als „head of the unit“.  Mein Name stand in allen Vertragsentwürfen und auch in der finalen Fassung. Als die deutsche Seite  den Vertragstext auf den letzten Drücker zur Unterschrift erhielt, war mein Name überall rausgestrichen – ohne Kommentar. Nachfragen des zuständigen Ministeriums wurden nicht beantwortet. Man konnte nur spekulieren. Die türkische Seite sagte nichts und hatte auch im Verlauf der Verhandlungen nichts gesagt. So einfach ging das vor 13 Jahren und so einfach geht das heute auch noch. Wenn man sich es anders überlegt, dann auch kommentarlos – wie im Falle des ZDF Korrespondenten. Der hatte zwar angedeutet, er werde aus dem Iran über die Türkei berichten, aber das tun andere Journalisten inzwischen auch. Also bleibt nur Spekulation. Wie in meinem Fall. „Türkei – da wird nicht lange diskutiert“ weiterlesen

Machtverlust durch Sprache

Tja, der Verlust an Deutungshoheit ist schwer zu ertragen. Und wenn  der weiße Mann nichts anderes mehr hat als seine sekundären Geschlechtsmerkmale, dann verteidigt er die Privilegien zäh. Obwohl die Jungs es nicht wirklich wissen, wie es ist, ausgeschlossen zu werden nur wegen der sekundären Geschlechtsmerkmale. Inzwischen haben wir beim gesellschaftlichen Rückwärtsgang die 60er Jahren erreicht. Man will z.B. wieder „Herr im eigenen Haus sein“ (eine Parole aus der Zeit der Anwerbung von Gastarbeitern). „Machtverlust durch Sprache“ weiterlesen

08. März

In den Tagen rings um den 8. März wird hier oben – man soll es kaum glauben – einiges in Sachen Frauen geboten. Erst ins Kino zu „Zu guter Letzt“ mit einer notorisch schlecht gelaunten Shirley McLaine. Und dann zur Verfilmung des Lebens von Ruth Bader Ginsburg. Sie ist eine von drei Richterinnen am Supreme Court und in den USA als Ikone der Frauenrechtsbewegung berühmt. Ruth Bader Ginsburg, 85 Jahre alt, wird nun mit einer Leinwandadaption ihrer frühen Karrierejahre gewürdigt. Der Film „DIE BERUFUNG“ erzählt vom emanzipatorischen Kampf jener kongenialen Frau, die an Gerechtigkeit glaubte und mit einem bahnbrechenden Fall vor Gericht zog. Im temporeichen Schlagabtausch mit scheinbar unbelehrbaren Justizvertretern bewies Ginsburg, gespielt von der Oscar-nominierten Felicity Jones, Scharfsinn und Geisteswitz.
„Die Berufung ist ein ergreifendes Portrait des Kampfes einer brillanten Juristin für Geschlechtergerechtigkeit. Das Recht kann ein Motor sein für Veränderungen – es braucht aber bis heute engagierte Frauen (und Männer), die sich dafür stark machen, schreibt der Deutsche Juristinnenbund in einer Pressemitteilung. Die Zitate von ihr sprechen eine deutliche Sprache: „Ich will keine Bevorzugung auf Grund meines Geschlechts, ich will lediglich, dass unsere Brüder ihre Füße aus unserem Genick nehmen. „Über ihren Ehemann sagt sie: “ Er war der erste Junge, der registrierte, dass ich ein Gehirn habe und es benutze.“
Ruth Bader Ginsburg „Die Berufung“- jetzt im Kino u.a. in Flensburg am Sonntag, den 10. März.

8.März in 3 SAT

In 3 SAT bemüht sich die Programmdirektion auch jedes Jahr um ein frauenspezifisches Programm, das auf Erkenntnisgewinn gezielt und nicht auf das Zementieren von Geschlechterstereotypen.

Ein Zitat der schweizerischen Stararchitektin Tilla Theus fand ich bemerkenswert. Die Begebenheit muss sich in 60er Jahren abgespielt haben. Tila Theus hatte 26 ihr Architekturbüro eröffnet und bald danach ihren ersten Wettbewerb gewonnen. Auf der ersten Baukommissionssitzung (9 Männer und sie) wurde sie vom Präsidenten angesprochen: „Die junge Dame ist sicher bereit, das Protokoll zu schreiben.“ Nach dem sie sich vom ersten Schrecken erholt hatte, lächelte sie und sagte „Ja gerne, wenn einer der  Herren in der Lage ist, meinen Siegerentwurf mit allen Details vorzustellen.“ „8.März in 3 SAT“ weiterlesen