


Wie ich die Großstadt hinter mir ließ und an die Küste zog



ein Osterspaziergang mit Leo und Agathe am Noor

Der Equal Pay ist in diesem Jahr sogar schon am 18. März – es geht also voran. Im letzten Jahr war es der 19. März und wir Frauen mussten auch schon bis zum 23. März für umme arbeiten, während Männer vom 1. 1. eines Jahres an Kohle machten. Ich denke es liegt u.a. am Mindestlohn, dass es etwas voran geht. Es ist zwar so: je niedriger der Lohn – je geringer die Lohnlücke – also bei Aldi an der Kasse verdienen die Frauen nur ein bisschen schlechter als die Männer. Aber seit dem z.B. auch im Friseur-Handwerk und im Einzelhandel der Mindestlohn gezahlt werden muss, holen die Frauen deutlich auf. Am größten ist die Lohnlücke bei den Hochqualifizierten: bis zu 35 % verdienen männliche Führungskräfte mehr als die weiblichen.
Mein Lieblingsfilm zu Equal Pay Day ist „Made in Dagenham“ auf Deutsch „We want Sex(equality)“ aus dem Jahr 2010. Er erzählt die Geschichte der Näherinnen aus der Fordfabrik in Dagenham Mitte der 60er Jahre. Die Frauen erkämpften am Ende Verbesserungen für alle Frauen in Großbritannien. Los ging es als den Näherinnen ein paar Cent Lohnerhöhung vorenthalten werden sollte. Politisch spielte Arbeitsministerin Barbara Castle (Labour Party) eine zentrale Rolle.
Der Film von Nigel Cole ist bei YouTube zu finden.
Durch Zufall bin ich auf eine Kuriosität gestoßen, die sich nur Anwälte ausdenken können. Abmahnschreiben von Anwaltskanzleien haben ja auch schon das Urheberrecht in Verruf gebracht. Nun geht es um die Bezeichnung bzw. die Marke „Sonne“, die die Münchner Hofpfisterei sich 1996 hat schützen lassen. Da mich der Vorgang empört, gebe ich hier einen Text einer abgemahnten Bäckerei wieder:
„Seit Anfang März 2017 bereichert ein reines Dinkelvollkornbrot mit Sonnenblumenkernen unser Sortiment“, schreiben die BäckerInnen auf ihrer Homepage. „Den naheliegenden Namen „Dinkel-Sonne“ mussten wir leider ändern, da die Münchener Hofpfisterei andere Bäckereien abmahnt, wenn sie Backwaren mit dem Begriff „Sonne“ im Namen verwenden. Trotz Hinweis, dass es sich bei uns um weniger als 300 verkaufte Brote handelt und unser Dinkel-Kastenbrot nun wirklich nicht mit der runden 2Kg-Pfister Öko-Sonne verwechselt werden kann, müssen wir als „Aufwandsentschädigung“ an die beauftragte Münchener Anwaltskanzlei über 2.300,- Euro zahlen! Dafür hat sozusagen eine(r) unserer BäckerInnen 2 Monate umsonst gearbeitet. Nun könnten wir unser Brot „Stern der Freiheit“ nennen, was aber eher zu Verwirrung führen würde. Deshalb haben wir uns für das weniger spektakuläre Dinkel-Sonnenblumenkern entschieden.“
2000 Euro sind allerdings ein Schnäppchen, denn wie auf Wikipedia zu lesen ist, sollen Kleinbäckereien auch schon zum Zehnfachen verknackt worden sein. Der Markenkrieg um die bayerische Sonne war 2013 in eine neue Runde gegangen und viele Bäckereien hofften, dass das Landgericht München dem Markenspuk ein Ende setzen würde. Tat es aber nicht.
Das Landgericht München I gab der Hofpfisterei in Teilen in seinem Urteil aus dem Frühjahr 2014 Recht. Nachzulesen u.a. auf www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-um-brotmarke-sonne.
Die Hofpfisterei hat in Berlin inzwischen (laut Wikipedia) 13 Filialen. Da kann man verstehen, dass andere Bäckereien – zumal regionale Handwerks- Bio-Vollkornbäckereien mit besserer Qualität – dem Expansionstrip im Weg sind. Denn es ist nicht alles gold, was bei dem bajuwarischen Bäcker glänzt. Die Hofpfisterei lässt in der Regel ihr Brot von München nach Berlin transportieren (auch nicht wirklich öko). Es wird aber aus dem Süden nicht nur fertiges Brot angeliefert, sondern – nach Aussage gewöhnlich gut unterrichteter Kreise – gerne auch mal eingefrorene Teiglinge. Wenn diese dann im Laden fertig gebacken werden, sind die Brote natürlich „ofenfrisch“. Da wünsche ich doch guten Appetit!