Hannelore May

An Weihnachten 2017 ist eine meiner politischen Freundinnen in Berlin verstorben. Hannelore May gehörte zu den wenigen Frauen, denen ich wichtige Schritte in meinem beruflichen Leben zu verdanken habe. Sie war es, die mich im März 1989 anrief und fragte, ob ich Pressesprecherin bei Anne Klein, der neuen, grünen Senatorin für Frauen, Jugend und Familie werden wollte – mithin im ersten rot-grünen Senat in Berlin. Diesem Senat gehörten mehr Frauen als Männer an.
So läuft es also dachte ich damals, hatte aber die Rechnung ohne den grünen Intrigantenstadel gemacht. Nach sechs Wochen war meine Senatsepisode beendet. Für mich bedeutete dieses Intermezzo trotzdem eine Menge: Im damaligen Sender Freies Berlin trauerten einige Redakteure tatsächlich ihrer freien Autorin nach. Und ich gewöhnte mich an das Gefühl, auch mal „Chefin“ zu sein.
Hannelore May war wie ich Teil der Berliner FrauenfrAKTION, die eigentlich mehr als ein Debattierclub sein wollte, aber wir, die wir uns regelmäßig trafen, liebten vor allem die Diskussionen: laut und wild durcheinander redend. Da hatte Hannelore es manchmal schwer mit ihrer leisen Art durchzudringen. Diese Stimme ist nun für immer verstummt. Eine Aktivistin weniger.

Abgeschafft seit 1853

ist der Pranger in Deutschland twitterte letztens Claus Kleber – aber was ist das, was die Sicherheitsjunkies gerade mit 104 jungen Leuten machen? Am Ende nichts anderes als der Online Pranger und das mit Hilfe lauter guter Mitbürger, die ihre Handybilder von Passanten an die Polizei gaben. Die BILDzeitung titelte dann auch entsprechend zu dem Foto einer Jugendlichen mit bauchfreiem TShirt: „Terrorbarbie woher kommt soviel Hass?“ Wo haben die Bildredakteure das Bild und die Weisheiten her? Recherche? Wohl kaum.
Man sollte das Hamburger Pflaster meiden, wenn man nicht riskieren will, fotografiert zu werden und auf Fahndungsplakaten zu landen.