
August 2021

Wie ich die Großstadt hinter mir ließ und an die Küste zog

Am 25. Juni hat das Oberlandesgericht Karlsruhe die Klage der Arznei-Geschädigten Felicitas Rohrer gegen BAYER abgewiesen. Die 37 Jahre alte Frau forderte vom Leverkusener Multi Schadensersatz, weil sie nach der Einnahme des Verhütungsmittels YASMINELLE eine beidseitige Lungen-Embolie mit akutem Atem- und Herzstillstand erlitten hatte. Obwohl diese „Nebenwirkung“ des Medikaments seit Langem bekannt ist, sprach das Gericht den Global Player frei, schreibt die Coordination gegen Bayer-Gefahren, die seit vielen Jahren die Gruppe „Risiko-Pille“ um Felicitas Rohrer unterstützt.
„Das ist ein Skandal-Urteil. In den USA haben bisher schon 12.000 Leidensgenossinnen von Felicitas Rohrer Recht bekommen und insgesamt zwei Milliarden Dollar Schmerzensgeld von BAYER erhalten. Hierzulande aber kuscht die Justiz vor der Macht der Konzerne“, konstatiert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG).
Das Mittel YASMINELLE mit dem Wirkstoff Drospirenon gehört zu den Kontrazeptiva der vierten Generation. Während es bei 9 bis 12 von 10.000 Frauen, welche diese Pharmazeutika oder diejenigen der 3. Generation gebrauchen, zu Blutgerinnseln kommt, ist das nur bei 5 bis 7 von 10.000 derjenigen Frauen der Fall, die Pillen mit den älteren Wirkstoffen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat nutzen. Auf Anordnung des „Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizin-Produkte“ (BfArM) müssen BAYER und die anderen Hersteller deshalb bereits seit 2009 vor dieser besonderen Gesundheitsgefährdung warnen. Frankreich ging noch einen Schritt weiter. Dort wies die Politik die Krankenkassen an, die Kosten für Verhütungsmittel der 3. und 4. Generation nicht länger zu erstatten. „Ein solcher Schritt ist in Deutschland überfällig. So könnten jährlich bis zu 1.700 Thrombosen verhindert werden“, hält Stelzmann fest. So aber greift hierzulande noch über die Hälfte aller Frauen, die mit Hormon-Präparaten verhüten, zu Pillen der 3. oder 4. Generation, was den Herstellern Riesen-Profite einbringt. Im Geschäftsjahr 2020 machte BAYER mit den Drospirenon-Präparaten YAZ, YASMIN und YASMINELLE einen Umsatz von 670 Millionen Euro.
Dank der Pressearbeit der Gruppe Risiko-Pille entstanden viele Hörfunk- und Fernsehbeiträge, u.a. der Spielfilm „Was wir wussten – Risiko Pille – von 23. Oktober 2019 und 2016 das 55-minütige Hörfunkfeature „Krank und schlank“ des rbb. Da der Sender allerdings sich Stück für Stück von seinem Kulturradio verabschiedet, verschwinden ältere Produktionen auch aus den Mediatheken. Gut, wenn die Autorinnen Manuskripte und CDs archivieren.
Den Meteorologen bleibt am Ende von Tief Bernd nur die Gewissheit, dass ihre Rechenmodelle das Unwetter einigermaßen richtig vorhergesagt haben. Aber die Warnungen haben nur Einzelnen genutzt. Nämlich denjenigen, die etwas damit anfangen konnten. Alle anderen können mit den Begriffen Starkregen, Überflutung oder Schlammlawinen nichts anfangen, wenn es um den Schutz des eigenen Hab und Gutes geht. Sandsäcke vor die Tür legen? Schotten dicht machen? Das kennen nur die, die mit Hochwasser vertraut sind. Die wissen auch, dass man in überflutete Keller nicht rein geht, wegen der Gefahr einen Stromschlag zu bekommen. Unsere FI Schalter arbeiten nur in den Badezimmern, nicht im Keller. Und in einem 60er Jahre Haus gibt es so etwas wahrscheinlich noch nicht einmal.
Das Wasser kam so schnell, heißt es immer wieder, dass….. eine einzige Nachtwache die Behinderten nicht alleine retten konnte. Tja, es war Tage vorher gewarnt worden, warum wurde die Nachtschicht nicht verstärkt, warum hat man die Leute zum Schlafen nicht in höhere Stockwerke verlegt?
Warum wurde in Krankenhäusern erst reagiert als das Wasser da war? Und auch alle anderen? Muss man Wasserbau studiert haben, um Warnungen vor Hochwasser und Flutwellen ernst zu nehmen? Und warum gleicht eine sogenannte Staumauer eher einem Deich als einer konkaven Betonmauer, die bei Talsperren üblich ist?
Über die ewige Flächenversiegelung, die täglich weitere Quadratmeter frisst, will ich mich gar nicht auslassen. Der Nabu hat seit vielen Jahren Listen mit Maßnahmen, die stets und ständig ignoriert werden. Man kann die Reportagen kaum ertragen, in denen es um Regenrückhalteflächen geht, die 6 Jahre und mehr einfach im Gestrüpp von Interessen und Zuständigkeiten hängen bleiben. Und auch jetzt wird nur quasi wie eine Flutwelle alles mögliche geredet und irgendwann ist der Schlamm getrocknet, die Wortwelle abgelaufen und man geht wieder zum Großen über.
Klimaschutz, Anpassung, Umweltschutz und Katastrophenschutz werden munter gegeneinander ausgespielt – bis zur nächsten Katastrophe. Erinnert sich noch jemand an die Brände und Evakuierungen in Brandenburg? Bis auf die betroffenen wohl nur wenige.
oder kann das weg? Natürlich kann es weg. Das Artensterben soll ja schließlich flott voran gehen. Und in der konventionellen Landwirtschaft wird alles vermieden, um nicht irgendwo etwas Schützenswertes entstehen zu lassen. Blühstreifen sind einjährig – schnell wieder weg. Damit die Wegränder nicht zu Saumbiotopen werden und niemand auf die Idee kommt, dort zu brüten oder sich als Amphibie aufzuhalten, wird gemäht was das Zeug hält. Möglichst bis auf den blanken Geestboden – ausradiert möglichst mit Wurzeln. Brut- und Setzzeit? War da was? Nicht in landwirtschaftlichen Gegenden. Nicht umsonst ist die Landschaft steril und ausgeräumt: Survival of the fittest! Löwenzahn, Wiesenkerbel (den hassen sie zwar besonders, fördern ihn aber durch ihr blindes Tun), Disteln, Schachtelhalm (der hat ja schon viele Generationen von Menschen überlebt, der wird auch uns überleben).


In den 60iger Jahren galt die autogerechte Stadt als non plus ultra – heute ist es die Trecker- und Güllewagengerechte Landschaft. Deshalb blühen am Ackerrain heute auch nicht Mohn- und Kornblume, sondern violette Disteln! Supi!
Und die grünen Landwirtschaftsministerien – was tun die? Die versuchen zu retten, was noch zu retten ist und stellen sich nicht vor jede Spiere und jeden Lärchensporn.
Schließlich kann man die alten Wiesen(un)kräuter heute alle im gutsortierten Gartenmarkt erwerben – natürlich nicht im Baumarkt, aber dafür im Onlineshop der Biogärtnerei. Ich wundere mich immer, warum ich für Katzenminze und Frauenmantel Geld ausgeben soll – mein Garten voll davon. Giersch und Gundermann habe ich auch mehr als in den grünen Quark passen.
Die Bauern sind schon arm dran, dass sie sich jetzt mit Städtern abgeben müssen, wenn es um die Unkrautbeseitigung geht.