Vor einem Jahr gab es einen Kälteeinbruch mit Schneeregenschauern und etwas Graupel. Aber keinen flächendeckenden Schnee! Das Wasser hatte ebenfalls 11 Grad wie in diesem Jahr – also auch nix besonderes. Der Kälteeinbruch fällt in diesem Jahr hier oben nördlich vom Kanal nicht auf, weil wir diesen kalten Wind aus dem Eiskeller seit vielen Wochen kennen! Aber die Eisheilgen kommen ja noch und winken mit Nachtfrost. Danach lauert die Schafskälte in der 2. Juniwoche. Allerdings sind in diesem Jahr bereits viele Schafe geschoren, so dass sie jetzt schon frieren.
Ursel Nienhaus
Ursel Nienhaus ist eine der aktivsten Frauen der Berliner Frauenszene seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie ist am 17. April gestorben und die Nachrufe, die versuchen ihre Verdienste aufzuzählen, geraten ziemlich lang. Ich habe Ursel Nienhaus Ende der 70er Jahre im Berliner Frauenzentrum kennengelernt. Sie baute damals das Feministische Frauenarchiv FFBIZ auf. Revolutionär für die Zeit. Heute würde man sagen, sie sei die „Godmother of women’s archives“. Auf jeden Fall war sie immer gerne bereit zu einem Interview und so kommt sie auch in meiner Flappersendung vor. Die Sendung wurde unlängst im rbb-Kulturradio wiederholt und ist dort in der Mediathek zu hören.
Hier der Anfang meines Features über die Neue Frau:
„Die Neue Frau ist ein Phänomen der Goldenen Zwanziger. Einer Zeit, in der sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland scheinbar konsolidieren. Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten verschaffen der Weimarer Republik frisches Geld, das nach der Wirtschaftskrise von 1923 dringend benötigt wird. Aus den USA kommen neben dem Geld, aber auch neue Produktionsmethoden. Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant, Arbeitsprozesse werden rationalisiert, Verwaltungsarbeiten nehmen zu und die Nachfrage nach Büroangestellten wächst stetig. Die Unternehmen suchen Stenotypistinnen, Kontoristinnen, Telefonistinnen. Das ist die Chance für junge, ledige Frauen. Sie erobern jetzt das Büro, das bis dahin eine Männerdomäne war.
„Die Frauen sind einfach besser ausgebildet und sie sind anpassungsbereiter als die Männer. Und sie sind auf den Erwerb mindestens so stark angewiesen, wie die Männer.“
Die Historikerin Ursel Nienhaus hat zum Phänomen der weiblichen Angestellten bei der Post geforscht. 1925 gibt es in Deutschland 1,5 Millionen weibliche Angestellte – drei Mal so viele wie vor dem Ersten Weltkrieg. Berlin ist zu dieser Zeit „die“ Metropole in Europa. Mitte der 20iger Jahre leben hier über vier Millionen Menschen. Berlin ist damit die zweitgrößte Stadt der Welt – nach Los Angeles. In der Reichshauptstadt befinden sich die meisten Betriebe, Konzernzentralen und Verlage. Es ist eine Stadt der Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Filme. All diese Redaktionen, Agenturen und Geschäfte brauchen unzählige Verwaltungsangestellte. Nach Berlin zieht es nicht nur Schriftstellerinnen und Künstler, sondern auch Tausende junger Frauen auf der Suche nach einer besseren Zukunft.“
Das gesamte Manuskript gibt es in der Redaktion Zeitpunkte des rbb.
Corona 3 Wochen update
Ab Montag dürfen Kinder im Norden wieder auf den Spielplatz – natürlich nicht ohne ein Hygienekonzept der Kommunen. Mit App oder MuNaSchu für Kids ab 6. Ein Vorlauf für die Schulöffnung. Nur beim Schichtunterricht müssen auch die Eltern zu Hause bleiben. Arbeitgeber sind immer begeistert, wenn sie es mit Eltern oder noch besser mit Müttern zu tun haben.
Der Tourismus soll auch was dürfen: Gaststätten dürfen ab Pfingsten öffnen – natürlich nicht ohne Hygienekonzept. Gespannt bin ich auf die Regelungen für die Kultur….
Übrigens auf dem Wochenmarkt herrscht keine MuNaSchu Pflicht. Und in einer Bank ist der MuNaSchu…..verboten – dort gilt das sog. Schutzkonzept immer noch als Vermummung. In die Tanke muss man dagegen vermummt – allerdings ohne Motorradhelm.
Auf jeden Fall sind die Leute beschäftigt und haben was zum Reden. Wenn ich auf der Straße ohne MuSchu rumlaufe, werde ich böse angesehen und man hält Abstand. Immerhin klappt das dann wenigstens. Die Abstandsregeln können von mir aus gerne beibehalten werden. Ich mochte es noch nie, wenn mir fremde Leute zu dicht auf den Pelz rückten. Z.B. wenn sie mir ihren Einkaufswagen in die Hacken rammten. Sehr unangenehm empfand ich die Distanzlosigkeit in ostischen Saunen in der Wendezeit. Da musste ich schon mal mein Handtuch gegen den nachbarlichen nackten Hintern verteidigen – mehrere böse Blicken meinerseits reichten in den meisten Fällen.
Mai 2020
