§ 218 und kein Ende

Es wurde schon mal offener diskutiert in der Republik über Abtreibungen, „Kinder oder keine“. Inzwischen herrscht wieder das altbekannte Klima der Angst. Tabufrei war die Forderung nach problemloser Abtreibung sowieso nie – da hat sich definitiv nichts geändert. Als es Ende 2010 um die UN Entwicklungsziele  und deren Erreichung ging, hat nicht nur die SPD die Forderung nach niedrigschwelligem Zugang zu sicherer Abtreibung ganz weit hinten und ziemlich verschmiemelt in ihrem Papier auftauchen lassen. Man wollte sich ja nicht den Vorwurf einfangen, man fördere den Kindermord.
Die „Lebensschützer“ haben es geschafft, die Informationen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Vor lauter Angst wird noch nicht einmal das Thema „Zwangsberatung“ erläutert und die jungen Leute können auf diese Weise nicht nachvollziehen, warum die Alten überhaupt von Zwangsberatung reden, die sie ablehnen. In diesen Beratungen wird nämlich eigentlich nur bei der profa ergebnisoffen informiert, ansonsten wird immer für die Fortführung der Schwangerschaft „beraten“. Das aber darf eine profa-Angestellte heute öffentlich nicht sagen.
Gut dass die FDP-SH sich für die Streichung des § 219a ausgesprochen hat, ob das viel Einfluss auf die Bundestagsfraktion hat, bleibt abzuwarten.
Gut ist auch, dass wir hier in der Nähe der dänischen Grenze leben. In Dänemark ist eine Abtreibung kein Straftatbestand und in den ersten 12 Wochen möglich. So weit sind wir wieder – wir informieren uns über Fahrten ins nicht katholische Ausland!

Der schwarze Fels in der Brandung

Friedrich Merz auf dem Weg zum Ehrenamtler: wer 5000 Euro Tagesgage gewöhnt ist, für den ist das Gehalt des Kanzlers eigentlich nur eine Aufwandsentschädigung. Was er beim deutschen Ableger Blackrock bekommt, dessen AR Vorsitzender er seit 2016 ist, wird sicher noch bekannt werden. Aber auch die diversen Aufsichtsratsvorsitze und -mitgliedschaften (z.B. bei Flughafen Köln/Bonn) tragen ihr Scherflein zum Haushaltseinkommen der Familie Merz bei. Was wohl Goldmann-Sachs dazu sagt, dass Blackrock in Deutschland nach einem politischen Spitzenjob greift? Ganz vergessen habe ich, dass Herr Merz Gründungsmitglied der Initiative für eine neue soziale Marktwirtschaft ist, jener mehr als verdienstvollen Einrichtung der Metallarbeitgeber. Was sagte gestern Christian Ehring: Merz ist wie Vanillemilch von früher: man hat ne tolle Erinnerung, aber wenn man sie heute trinkt, schmeckt sie irgendwie nicht mehr. Na dann, Prost, CDU!

Brasilien

Jair Bolsonaro wurde zwar gewählt, aber nicht demokratisch. An dieser Stelle irrt der Kollege von der SZ. Demokratisch wäre die Wahl gewesen, wenn der nach Umfragen führende Kandidat Lula da Silva hätte gewählt werden können. Aber das konnte er nicht, weil er von der Justiz ins Gefängnis gebracht wurde. Nach dem Motto: Ich schalte alle Gegner aus und dann werde ich gewählt und dann bin westlich-demokratisch legitimiert. Am erstaunlichsten war für mich an der „Wahl“ in Brasilien, dass es Lula überhaupt gelungen ist, gegen Großagrarier, das Militär, die Evangelikalen und die Justiz aussichtsreichster Kandidat zu werden. Die Justiz hat ihn am Schluss zu Fall gebracht. Sie wird auch nichts tun, um der nun heraufziehenden Gewaltherrschaft eben jener parteiübergreifenden Allianz aus religiösen Fundamentalisten, einstigen Soldaten und Großgrundbesitzern , der sogenannten Bancada BBB, die Bibel-, Blei- und Bullenfraktion, Einhalt zu gebieten. Dieser illustre Haufen brachte auch das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff in Gang. Ihre Parteigenossin Erika Kokay hat den Terminus  als erste benutzt für: bancada evangelica, (da biblia), armamenatalista ( da bala)  und ruralista (do boi).
Viele, die den gerne mit einer MP posierenden Bolsonaro gewählt haben, halten ihn für einen bellenden Hund, der nicht beißt. ….Dass sie sich geirrt haben, werden die meisten erst merken, wenn es auch für sie zu spät ist.