Lieber ohne Frauen

Egal ob Gemeinderat oder Bundestag, die Jungs bleiben lieber unter sich. Vor allem wenn sie den Parteien: FDP, AFD und CDU/CSU angehören.  „Nur 55 Frauen von 205 Abgeordneten im bayerischen Landtag und 45 Frauen von 137 Abgeordneten im Hessischen Landtag – mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unzureichend repräsentiert. Im 100. Jahr nach der Einführung des Frauenwahlrechts sind dies beschämende Zahlen. Sie stellen unserer Demokratie kein gutes Zeugnis aus“, kommentiert die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, Prof. Dr. Maria Wersig in einer Pressemitteilung am 31.10.2018.
Bei uns auf dem Dorf geht es sogar soweit, dass der Bürgermeister (FDP)  die Leute auswählt, die als Bürgerliche Mitglieder im Gemeinderat und seinen Ausschüssen mitarbeiten dürfen. Und wer wie ich dem Allmächtigen nicht in den Kram passt, die wird eben zu den einschlägigen Kungelsitzungen nicht eingeladen. „Lieber ohne Frauen“ weiterlesen

Vor zehn Jahren

musste Andrea Ypsilanti einsehen, dass 4 Parteifreunde lieber in die Bedeutungslosigkeit gehen als einer von den Linken geduldeten rot/grünen Minderheitsregierung ihre Stimme geben. Frei nach dem Komparativ: Freund, Feind,  Parteifreund. Sie hatte in der Wahl im Januar 2008 36,7 Prozent geholt. Nur Roland Koch hatte mehr – nämlich 36,8 %. Traumergebnisse im Vergleich zu heute. Trotzdem wollten die rechten Kanalarbeiter den Erfolg nicht in eine Landesregierung ummünzen, sondern steuerten eine Neuwahl an. Die ging dann mit 23,4 % SPD und 37,1 % für die CDU glatt an schwarz-gelb. Bei der Wahl am 28.10. 2018 bekam TSG 19,8 % – gar nicht viel schlechter als nach dem Putsch A. Y. gegen Das war wohl im Sinne der 4erBande. Alles übrigens an Andrea Ypsilanti gescheiterte GenossInnen.

Zu Andrea Ypsilantis Scheitern trug eine breite Koalition aus Qualitätsmedien und eigenen Leuten bei. Kein Wortspiel war zu blöd, keine Breitseite zu gehässig. Der in vielen Hirnen sitzende Rassismus kam da zum Vorschein nur weil die SPD Frau einen griechischen Nachnamen trug. Sie hatte den Prinzen Manolis Ypsilantis geheiratet. Und dann auch noch so linkes Projekt- das war zu viel der Hühneraugen, zumal sie ja auch keine Freundin des angelaufenen Sozialabbaus durch die Führungsriege der SPD war. 2008 war die Schröder SPD bereits im  Sinkflug und eine gewisse Angela Merkel stand in den Startlöchern. Allerdings wurde ihr das Leben durch die Parteimänner auch nicht leicht gemacht.

Remarque

Letztens wiederholte der Deutschlandfunk in seiner Reihe „Gesichter Europas“ eine  Sendung zu Lissabon in den 40er Jahren. Einer Zeit, in der  die Stadt zum Hafen der Hoffnung wurde. Die Literaturauszüge stammten aus dem Roman „Die Nacht in Lissabon“ von Erich Maria Remarque. Ein Buch, dass bei der Bücherverbrennung durch Nationalsozialisten und ihre Anhänger 1933 auf dem Scheiterhaufen landete. Remarque selber hatte Deutschland 1933 bereits verlassen und war 1939 aus seinem Exil in der Schweiz in die USA emigriert. Die Nationalsozialisten hätten gern nicht nur seine Bücher vernichtet, sondern auch den Menschen Remarque. Aber der war, wie Blutrichter Freisler (2800 Todesurteile von 42 -45) im Oktober 1943 erklärte „ihnen entwischt“. Stellvertretend für ihn wurde seine Schwester im Dezember 1943 in Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie war denunziert worden. Angeblich glaubte sie nicht an den Endsieg.

Solche Episoden gehen mir durch den Kopf, wenn ich von den Denunziationsplattformen der AFD höre, die scheinbar schon längst angefangen hat, Listen zu erstellen mit Leuten, die sie als erstes umbringen werden – wenn ihnen eines Tages die Macht übergeben wird.

Freislers Witwe lebte übrigens bis 1997 von den Altersbezügen ihres Gatten, was erst 1985 zu einigem Unmut in der Republik führte.